- 1981
- Mahmoud Dabdoub
Als Preisträger der Ausstellung "Junge Künstler der DDR" wurden die Künstler Edmund Bechtle, Falko Behrendt, Uwe Bullmann, Christian Heinze und Günther Rechn als Delegierte ernannt, die DDR 1979 bei der Gründung des palästinensischen Künstlerverbandes zu vertreten – einem damals neuen Zweig der Kulturabteilung der PLO (der Palestinian Liberation Organization) in Beirut, unter der Schirmherrschaft des Malers Ismail Shammout. Basis dieser Begegnung bot das noch frische Kulturabkommen zwischen der DDR und der PLO. Die DDR unterstützte die PLO politisch und militärisch im Konflikt gegen Israel und erhoffte sich davon u.a. Anerkennung durch arabische Staaten. Der kulturelle Austausch sollte die engen Beziehungen zur PLO stärken, war aber auch Ausdruck der in der Bevölkerung der DDR weit verbreiteten Solidarität mit palästinensischen Geflüchteten.
In Verbindung mit der Gründung des Vereines, sah die Reise der Künstler vor, sich thematisch dem Anliegen und den Lebensbedingungen von Palästinenser:innen im Libanon zu widmen und sich nach der Rückkehr in die Heimat künstlerisch damit auseinanderzusetzen. Hierfür bereisten die fünf Künstler verschiedene Stationen des Landes, nicht selten in Begleitung von Mahmoud Dabdoub als Dolmetscher. Dabdoub war damals Praktikant am Kulturbüro der PLO und kam wenig später an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, um Fotografie zu studieren.
Unterwegs fertigte die Künstlergruppe aus der DDR Skizzen und Fotos von flüchtigen Begegnungen auf der Straße oder Portraits von Menschen, zu denen sie eingeladen wurden. Wie Heinze im Interview beschreibt, wurde die Reise sowohl durch die Erfahrungen in den palästinensischen Geflüchtetencamps als auch das Erlebnis der Fünf, eine "Westreise" zu unternehmen, geprägt. Die Reise beinhaltete auch die Besuche von Ateliers und den Kontakt zu Beiruter Künstler:innen.
Zurück in der DDR verarbeiteten die Künstler ihre Eindrücke und Skizzen zu Grafiken und Gemälden. Ein eindrückliches Beispiel ist Günther Rechns Bildnis des palästinensischen Grafikers Mustafa Al Hallaj in einer Landschaft, das er nach einem persönlichen Treffen der Künstler anfertigte. Neben der Entstehung von Einzelwerken wurde eine Grafikmappe aller beteiligten Künstler erstellt. Exemplare davon wanderten in Sammlungen einiger Institutionen der DDR. Sechs Ausführungen wurden außerdem an die Kunstsammlung der PLO geschenkt, bei einer weiteren Reise im Jahr 1981. Die Grafiken sollten als Wanderausstellung in Camps eingesetzt werden.
Anlass der zweiten Reise war eine Ausstellung der fünf Künstler in der noch jungen Galerie "Dar Al Karamah", die an das Kulturbüro der PLO angebunden war. "Palästina kämpft" war die erste Ausstellung ausländischer Künstler in der Beiruter Galerie und blieb auch die letzte. Im selben Jahr wurden Gebäude durch israelische Kampfflugzeuge zerstört, in den Wirren der Konflikte, die 1982 im Libanonkrieg gipfelten. Betroffen war auch die Sammlung. Zur Begleitung der Ausstellung schloss sich für die zweite Reise der Kunstwissenschaftler Siegfried Wege an. Dem heute im Bundesarchiv aufbewahrten und von Heinze und Wege verfassten Reisebericht ist zu entnehmen, dass "Palästina kämpft" siebzehn Gemälde und ca. 80 Grafiken umfasste und vom Zentrum für Kunstausstellungen der DDR zusammengestellt wurde. Die ausgestellten Eindrücke der ersten Reise seien, so heißt es, gut beim gemischten Beiruter Publikum angekommen, wovon auch Einträge im Gästebuch berichtet haben sollen.
Zurück in der DDR tourten die Werke als Schau unter dem Titel "Engagement Palästina" durch verschiedene Städte. Auch in Einzelausstellungen der fünf Künstler wurden im Anschluss des Öfteren Werke der Reise gezeigt. So liest sich in Artikeln aus Zeitungen der DDR über Bechtle, Behrendt, Bullmann, Heinze und Rechn, die Reisen hätten auch langfristige Auswirkungen auf das eigene künstlerische Schaffen gehabt.