- 1986
- Fine Kwiatkowski
- A.R. Penck
- Willi Sitte
- Erika Stürmer-Alex
- Ursula Rodezko
- Karin Wieckhorst
- Sascha Anderson
Nach einer Ausbildung zur Tiefdruckretuscheurin von 1957 bis 1960 begann Karin Wieckhorst (*1942) ihren Weg zur Fotografie als Fotolaborantin im Funkwerk Leipzig. Ab 1965 wurde sie Fotografin am Museum für Völkerkunde zu Leipzig und blieb dem Haus bis 2007 verbunden. Parallel dazu absolvierte sie von 1969 bis 1973 ein Fernstudium der Fotografie an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst. Die museale Arbeit eröffnete Wieckhorst einen Blick auf außereuropäische Kulturen und weckte den Wunsch, diese Regionen selbst zu bereisen, der für sie zu DDR-Zeiten unerfüllbar blieb. Umso wichtiger wurden jedoch innerstaatliche Bewegungsräume, etwa durch die fotografische Dokumentation sorbischer Feste und Bräuche seit den 1970er Jahren.
In den frühen 1980er Jahren entstand die sozialdokumentarische Serie „Körperbehindert“, welche 1985 in ihrer ersten Einzelausstellung gezeigt wurde und die im selben Jahr zu ihrer Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR führte. Zu dieser Zeit fotografierte Wieckhorst auch viel im Umfeld der Leipziger Galerie EIGEN + ART. Dort dokumentierte sie Ausstellungseröffnungen und porträtierte Künstler*innen, die sie 1987 in der Serie „Begegnungen in Ateliers“ zusammenführte. Darunter befinden sich auch fotografische Porträts von Christine Schlegel, die Wieckhorst unmittelbar vor Schlegels Ausreise vor der Tür ihres Ateliers aufnahm. Durch den Verband Bildender Künstler kam es 1988 zu einer Reise nach West-Berlin. Im Videointerview erinnert sich die Fotografin an ihren Wunsch zu reisen und schildert, wie sowohl Mobilität als auch deren Einschränkung ihre fotografische Praxis beeinflussten.
Sogenannte Westreisen blieben für Karin Wieckhorst in den späten 1980er Jahren Ausnahmefälle. Doch ermöglichte ihr 1988 ein privater Besuch in der Bundesrepublik eine inoffizielle Weiterreise nach Paris. Ein Jahr später wurde ihr eine Reise nach Köln zur Ausstellung ihrer Künstler*innenporträts gestattet. Mit einem vor Ort beantragten vorläufigen Reisepass fuhr sie anschließend mit dem Zug weiter nach Rom, ohne dass diese Weiterfahrt offiziell genehmigt war. Aus diesem Aufenthalt ging später die Fotoserie „Heimlich in Rom“ hervor, die antike und nachantike Stadtansichten mit Szenen des alltäglichen Lebens verbindet und so eine persönliche, künstlerische Perspektive auf die Stadt eröffnet. Im Gespräch mit Art in Networks erzählt die Fotografin von den Umständen der Reisen, den Begegnungen unterwegs und ihrer Rückkehr im Herbst 1989.
Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars an der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Kerstin Schankweiler und Laura-Maria Schulze und unter der Mitarbeit von Maja Wildnitz, Amy Richter und Paula Menzel.