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Heimlich in Rom. Reisen der Fotografin Karin Wieckhorst

Thema: Reisen
Zeitspannen:
  • 1988 — 1989
Künstler:innen:
  • Christine Schlegel
Die Fotografin Karin Wieckhorst nutzte in den späten 1980er Jahren Reisen in die Bundesrepublik, um inoffiziell nach Paris und Rom weiterzureisen – ihre Kamera stets dabei. Im Videointerview spricht sie über diese Erfahrungen und über Begegnungen die sie unterwegs machte.

Nach einer Ausbildung zur Tiefdruckretuscheurin von 1957 bis 1960 begann Karin Wieckhorst (*1942) ihren Weg zur Fotografie als Fotolaborantin im Funkwerk Leipzig. Ab 1965 wurde sie Fotografin am Museum für Völkerkunde zu Leipzig und blieb dem Haus bis 2007 verbunden. Parallel dazu absolvierte sie von 1969 bis 1973 ein Fernstudium der Fotografie an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst. Die museale Arbeit eröffnete Wieckhorst einen Blick auf außereuropäische Kulturen und weckte den Wunsch, diese Regionen selbst zu bereisen, der für sie zu DDR-Zeiten unerfüllbar blieb. Umso wichtiger wurden jedoch innerstaatliche Bewegungsräume, etwa durch die fotografische Dokumentation sorbischer Feste und Bräuche seit den 1970er Jahren.

In den frühen 1980er Jahren entstand die sozialdokumentarische Serie „Körperbehindert“, welche 1985 in ihrer ersten Einzelausstellung gezeigt wurde und die im selben Jahr zu ihrer Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR führte. Zu dieser Zeit fotografierte Wieckhorst auch viel im Umfeld der Leipziger Galerie EIGEN + ART. Dort dokumentierte sie Ausstellungseröffnungen und porträtierte Künstler*innen, die sie 1987 in der Serie „Begegnungen in Ateliers“ zusammenführte. Darunter befinden sich auch fotografische Porträts von Christine Schlegel, die Wieckhorst unmittelbar vor Schlegels Ausreise vor der Tür ihres Ateliers aufnahm. Durch den Verband Bildender Künstler kam es 1988 zu einer Reise nach West-Berlin. Im Videointerview erinnert sich die Fotografin an ihren Wunsch zu reisen und schildert, wie sowohl Mobilität als auch deren Einschränkung ihre fotografische Praxis beeinflussten.

Interview mit Karin Wieckhorst am 16. Dezember 2025 in Leipzig

Sogenannte Westreisen blieben für Karin Wieckhorst in den späten 1980er Jahren Ausnahmefälle. Doch ermöglichte ihr 1988 ein privater Besuch in der Bundesrepublik eine inoffizielle Weiterreise nach Paris. Ein Jahr später wurde ihr eine Reise nach Köln zur Ausstellung ihrer Künstler*innenporträts gestattet. Mit einem vor Ort beantragten vorläufigen Reisepass fuhr sie anschließend mit dem Zug weiter nach Rom, ohne dass diese Weiterfahrt offiziell genehmigt war. Aus diesem Aufenthalt ging später die Fotoserie „Heimlich in Rom“ hervor, die antike und nachantike Stadtansichten mit Szenen des alltäglichen Lebens verbindet und so eine persönliche, künstlerische Perspektive auf die Stadt eröffnet. Im Gespräch mit Art in Networks erzählt die Fotografin von den Umständen der Reisen, den Begegnungen unterwegs und ihrer Rückkehr im Herbst 1989.

Interview mit Karin Wieckhorst am 16. Dezember 2025 in Leipzig

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars an der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Kerstin Schankweiler und Laura-Maria Schulze und unter der Mitarbeit von Maja Wildnitz, Amy Richter und Paula Menzel.

Verknüpfte Beiträge

  • Ein Farbklecks auf die DDR. Ein Gespräch mit Christine Schlegel
    Zeitspannen:
    • 1986
    Reisen
    Christine Schlegels vielseitiges Werk ist geprägt von einer kritischen und zugleich humorvollen Bildsprache. In ihren Arbeiten spiegelt sich auch ihr Wunsch, die DDR zu verlassen, der sich 1986 schließlich erfüllte. Im Interview mit Art in Networks spricht sie über ihre Erfahrungen in der DDR, ihre künstlerische Praxis sowie ihre Ausreise über die Niederlande nach West-Berlin.
    Künstler:innen:
    • Fine Kwiatkowski
    • A.R. Penck
    • Willi Sitte
    • Erika Stürmer-Alex
    • Ursula Rodezko
    • Karin Wieckhorst
    • Sascha Anderson
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