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Ein Farbklecks auf die DDR. Ein Gespräch mit Christine Schlegel

Thema: Reisen
Zeitspannen:
  • 1986
Künstler:innen:
  • Fine Kwiatkowski
  • A.R. Penck
  • Willi Sitte
  • Erika Stürmer-Alex
  • Ursula Rodezko
  • Karin Wieckhorst
  • Sascha Anderson
Christine Schlegels vielseitiges Werk ist geprägt von einer kritischen und zugleich humorvollen Bildsprache. In ihren Arbeiten spiegelt sich auch ihr Wunsch, die DDR zu verlassen, der sich 1986 schließlich erfüllte. Im Interview mit Art in Networks spricht sie über ihre Erfahrungen in der DDR, ihre künstlerische Praxis sowie ihre Ausreise über die Niederlande nach West-Berlin.

Christine Schlegel (1950) zählt zu jenen Künstlerinnen, die sich abseits der Kunstdoktrin der DDR Ausdruck verschafften und die Republik letztendlich verließen. Schlegel gelang 1986 durch eine Scheinehe die Ausreise in die Niederlande. In ihrem Werk arbeitet sie mit einer Vielzahl an Medien und Ausdrucksformen.

Christine Schlegel bewarb sich 1973 für ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, welches sie 1978 mit einem Diplom abschloss. Bereits während des Studiums begann die Künstlerin, ermutigt durch A.R. Penck, Collagen anzufertigen, in denen sie das Künstler*innen-Dasein in der DDR kritisch und dennoch humorvoll kommentierte. Das Collagieren zieht sich durch ihr gesamtes Werk. Während ihres Studiums konnte sie zum ersten Mal ins Ausland reisen. Als kurzzeitiges Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR nahm sie später an Studienreisen nach Russland teil.

Viele ihrer Werke, die noch in der DDR entstanden sind, zeugen von ihrem Wunsch, die DDR zu verlassen. Koffer und Türen sind wiederkehrende Motive.

Durch persönliche Kontakte gelang es ihr, sich trotz des eingeschränkten Zugangs zu Literatur weiterzubilden und ihr Oeuvre um Performance und Film zu ergänzen. Eine zentrale Inspirationsquelle stellte die Tänzerin Fine Kwiatkowski dar, mit der Schlegel eng zusammenarbeitete. In gemeinsam produzierten filmischen Arbeiten tauchen ebenfalls Metaphern für das Reisen und Ausreisen auf. 

Schlegels Buchprojekt „Vielleicht werde ich plötzlich verschwinden” von 1986 verweist bereits im Titel auf ihre bevorstehende Ausreise aus der DDR.

Interview mit Christine Schlegel in Dresden, 25.11.2025

In den Fotografien der Serie „Begegnungen“ von Karin Wieckhorst, die in den 1980er Jahren Künstler*innen in ihren Ateliers porträtierte, zeigt sich Schlegel kurz vor ihrer bevorstehenden Ausreise. Nonchalant posiert sie in ihrer Ost-Berliner Wohnung vor einer Tür, die sinnbildlich für den unmittelbar bevorstehenden Weggang aus der DDR steht.

Im Interview spricht Christine Schlegel über die Erfahrungen der Ausreise und die Zeit um und nach der Wende 1989/90. Über die Niederlande war sie nach West-Berlin gekommen, wo sie ein Atelier in der Nähe der Grenze bezog. Hier erlebte sie den Abbau der Grenzanlagen unmittelbar und verarbeitete dies künstlerisch – ebenso wie ihre Erinnerungen an die DDR.

2001 zog Christine Schlegel zurück nach Dresden, wo sie seitdem lebt und arbeitet. In einer ihrer neuesten Arbeiten collagierte und übermalte sie alte Fotografien, die sie in den 1970er Jahren aufgenommen hatte. Mit dieser Serie verteilt Schlegel bis heute „Farbkleckse auf die DDR“.

Interview mit Christine Schlegel in Dresden, 25.11.2025

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars an der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Kerstin Schankweiler und Laura-Maria Schulze und unter der Mitarbeit von Leonie Linke, Johanna Süß und Celina Wagenknecht.

Verknüpfte Beiträge

  • Heimlich in Rom. Reisen der Fotografin Karin Wieckhorst
    Zeitspannen:
    • 1988–1989
    Reisen
    Die Fotografin Karin Wieckhorst nutzte in den späten 1980er Jahren Reisen in die Bundesrepublik, um inoffiziell nach Paris und Rom weiterzureisen – ihre Kamera stets dabei. Im Videointerview spricht sie über diese Erfahrungen und über Begegnungen die sie unterwegs machte.
    Künstler:innen:
    • Christine Schlegel
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