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Ein ostdeutsches Gemälde von afrikanischen Studierenden auf den VII. Weltfestspielen in Wien

Thema: Objektgeschichten
Zeitspannen:
  • 1959
Künstler:innen:
  • Karl-Heinz Jakob
Das Cover der Zeitschrift zeigt ein Gemälde von zwei Studenten in einem Zimmer. Beide haben den Kopf in die Hand gestützt und einer liest ein Buch.
Titelseite der Zeitschrift Bildende Kunst, Heft 7 (Juli 1959).

Im Jahr 1958 malte der Künstler Karl-Heinz Jakob (1929 – 1997) ein Ölgemälde von zwei afrikanischen Studierenden. Während einer tief in das auf dem Schreibtisch vor ihm liegende Buch eintaucht, schaut der andere nachdenklich über seine Schulter, möglicherweise durch das Fenster hinaus. Zum Entstehungszeitpunkt des Werkes waren Schwarze Studierende immer noch ein neues Thema in der ostdeutschen Kunst. Obwohl die ersten elf afrikanischen Studierenden 1951 aus Nigeria in die DDR reisten, waren am Ende des Jahrzehnts nur ca. einhundert Studierende im Land. Sie kamen aus Ländern wie Ghana, Kamerun, Guinea, Kenia, und Nigeria.

Jakobs Gemälde wurde zuerst vom 30. Mai bis 30. Juni 1959 auf der Ausstellung Junger Künstler im Pavillon der Kunst in Ost-Berlin ausgestellt. Hier wurden die besten Bilder vom Nationalen Komitee für die Internationale Ausstellung Junger Künstler ausgewählt, die dann bei den VII. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Wien vom 26. Juli bis 4. August desselben Jahres zu sehen war. Jakobs Bild wurde in schwarz-weiß in beiden Katalogen reproduziert und schließlich farbig auf dem Titel des 7. Heftes der Zeitschrift Bildende Kunst gedruckt. Welcher Titel von Jakob für das Gemäldes gewählt wurde, ist bisher nicht vollständig geklärt. Während es in einigen Publikationen als „Afrikanische Studenten“ benannt wird, betiteln andere Artikel das Bild mit einem rassistischen Begriff.

Das alltägliche Leben afrikanischer Studierender in der DDR als Bildmotiv einem internationalen Publikum zu präsentieren, war diplomatische Strategie, um die Beziehungen zwischen dem sozialistischen Land und den jungen Staaten Afrikas zu stärken. Obwohl die gesamte Zahl der Anwesenden an den Weltfestspielen in Wien mit ca. 18,000 Jugendlichen im Vergleich zu den vorherigen in Moskau sank, stieg der Anteil der Teilnehmer:innen aus Asien, Afrika, und dem Mittleren Osten. Auf den Weltfestspielen wurde die Solidarität zwischen den vor Kurzem oder bald dekolonisierten Ländern gefeiert und mehrere Seminare zur Rolle der Studierenden in diesen Staaten wurden angeboten. Jakobs Gemälde spiegelt diese Aufbruchsstimmung wider.

Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Tobias Yale Rosen, Masterstudent an der Freien Universität Berlin (Dezember 2022).

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    • 1960
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    Künstler:innen:
    • Mohamed Ewiss
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