Mit dem Handelsschiff nach Westafrika – und andere Reisen der Künstlerin Elke Hopfe
- 1976
- Willi Sitte
Elke Hopfe (*1945) reiste bereits während ihres Studiums, das sie 1965 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) aufgenommen hatte, u.a. nach Leningrad, wo sie sich mit den Werken von Matisse und Picasso auseinandersetzte. Weitere Reisen führten sie andere sozialistische Länder in Osteuropa und Mittelasien. Ein außergewöhnliches Erlebnis war im Jahr 1976 eine Reise auf einem Handelsschiff nach Westafrika, die sie gemeinsam mit Heinz-Detlef Moosdorf machen konnte . Das Schiff legte an zahlreichen europäischen und afrikanischen Häfen an, so dass Hopfe viele Orte sah und zahlreiche Museen besuchte.
Im Interview mit "Art in Networks" berichtet sie auch von der Rolle Willi Sittes, der als Präsident des Verbands Bildender Künstler zunehmend Reisen zu Ausstellungen im Westen ermöglichte. Hopfe reiste etwa nach West-Berlin zur großen Giacometti-Retrospektive 1987 in der Neuen Nationalgalerie.
1988 begann Elke Hopfe ihre Lehrtätigkeit an der HfBK Dresden. Die politischen Umbrüche an der Hochschule der Jahre 1989/90 beschreibt sie als Herausforderung. Trotz ihrer internationalen Reiseerfahrungen stand für Elke Hopfe nie zur Debatte, ihre Heimat dauerhaft zu verlassen. Sie ist in Dresden verwurzelt, wo sie bis heute als freischaffende Künstlerin lebt und arbeitet.
In ihrem künstlerischen Schaffen widmet sich Elke Hopfe dem Menschen als Individuum. Dabei steht nicht die realistische Abbildung des Gesehenen im Vordergrund. Vielmehr konzentriert sich die Künstlerin auf die Persönlichkeit und ihr eigenes Empfinden gegenüber dem Modell. Die Künstlerin entscheidet bewusst, welche Merkmale für das Psychogramm der porträtierten Person maßgeblich sind. Sie hebt bestimmte Eigenschaften hervor und lässt andere bewusst aus. Durch diese subjektive Darstellung fordert sie die Betrachtenden dazu auf, ihre eigenen Sehgewohnheiten zu hinterfragen und motiviert zu einem intensiven, wiederholten Hinsehen. Ein prägendes Merkmal ihrer Arbeit ist außerdem die Wahl des Materials. Sie nutzt bis heute großformatige Papiere aus ehemaligen DDR-Beständen als Bildträger. Durch die spezifische Beschaffenheit wirken diese Papiere, die weniger stark verleimt und fast porös sind, aktiv am Entstehungsprozess der Zeichnungen mit und geben ihr Spannung.
Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars an der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Kerstin Schankweiler und Laura-Maria Schulze und unter der Mitarbeit von Pia Zuchold, Lisa Junghans und Kirsten Förster.