Eine Schweizreise als Wendepunkt im Werk von Petra Kasten
- 1988
- Miriam Cahn
Petra Kasten (*geb. 1955) studierte von 1976 bis 1981/82 Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und ist seit 1982 als freischaffende Künstlerin tätig. Kurz vor dem Ende der DDR hatte sie 1988 die Gelegenheit, in die Schweiz zu reisen, wo ihre Arbeiten in einer Ausstellung junger künstlerischer Positionen aus der DDR gezeigt wurden. Vor Ort konnte sie Museen und Sammlungen besuchen und kam mit verschiedenen Künstler*innen in Kontakt. Vor allem der Besuch im Atelier der Künstlerin Miriam Cahn war für Petra Kasten eindrücklich. Durch Cahn lernte sie ein freies und intuitives Arbeiten kennen, welches im Gegensatz zu der ihr bekannten akademischen Lehre stand. Im Interview beschreibt Petra Kasten die Schweizreise als eine Art Schlüsselmoment. Von der Schweiz aus reiste sie ohne Genehmigung weiter nach Köln, Paris und West-Berlin, wo sie Kunst besichtigte und kontroverse Gespräche mit ausgereisten Künstlerfreunden führte, die sie besuchen konnte. Zurück in der DDR begann sie mit der Übermalung all ihrer figurativen Werke – ein radikaler Akt. Die große abstrakte Arbeit „Rennwart“ (1988), die sie bis heute in ihrem Besitz behalten hat, steht exemplarisch für diesen Wendepunkt in ihrem Werk, der seitdem ihre künstlerische Praxis prägt. „Rennwart“ stand für die Frage „gehen oder bleiben“, die damals die Künstlerschaft in der DDR umtrieb.
Nach der Wende konnte sie im Jahr 1994/95 durch das Villa Massimo Stipendium nach Rom reisen. Durch das neue Umfeld, den Zugang zu Fachliteratur und dem intensiven Austausch mit den anderen Stipendiat*innen reflektierte Petra Kasten noch einmal ganz neu ihre Identität als Malerin mit einer Ausbildung in der DDR.
Im Videointerview erinnert sich die Künstlerin an ihre Reisen und betrachtet diese Erlebnisse aus ihrer heutigen Sicht.
Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars an der TU Dresden unter der Leitung von Prof. Kerstin Schankweiler und Laura-Maria Schulze und unter der Mitarbeit von Eleni Fischer, Fiona Rößler und Marie Lehmann.