Von Vietnam in die DDR - Erinnerungen der Künstlerin Doan Thanh Rettensteiner
- 1989
- Doan Thanh Rettensteiner
Doan Thanh Rettensteiner wurde 1950 in Vinh Phu im Norden Vietnams geboren. Schon früh zeigte sich ihr großes Interesse und ihre Begabung für die Malerei. Im Alter von elf Jahren wurde sie – als eines von nur sieben ausgewählten Kindern und Jugendlichen – an das Internat der Kunstschule Hanoi aufgenommen, das sich speziell an besonders talentierte junge Künstler*innen richtete. Dort erhielt sie nicht nur eine künstlerische Ausbildung: Das Schulprogramm sah auch das landwirtschaftliche Arbeiten vor, da die Stadt in jenen Jahren ständig durch den Krieg bedroht war.
Bereits in ihrer Jugend öffnete sich für die Künstlerin ein weiter Blick in die Welt. Sie pflegte Brieffreundschaften mit Kindern aus der Sowjetunion, China und der DDR. Darüber hinaus wurden seit 1965 regelmäßig Werke der jungen Künstlerin auf Jugendausstellungen in Hanoi, Polen, der Sowjetunion, China und der DDR ausgestellt. 1973 begann Doan Thanh Rettensteiner ein Fernstudium an der Hochschule für Formgestaltung in Hanoi, das sie 1978 erfolgreich abschloss. Im selben Zeitraum wurde sie in den Verband bildender Künstler Vietnams aufgenommen. 1976 und 1980 waren Werke von ihr zudem auf der Intergrafik in der DDR zu sehen.
Im Jahr 1989 zog sie schließlich in die DDR, wo sie zunächst als Gruppenleiterin für vietnamesische Werktätige in einer Textilfabrik in Zittau arbeitete. Parallel dazu widmete sie sich weiterhin leidenschaftlich ihrer Kunst und beteiligte sich an Ausstellungen, unter anderem im Heimatmuseum Neugersdorf, im Stadtmuseum Löbau und in der Kunstlade Zittau.
Ihre Malerei ist bis heute von einer tiefen Verbundenheit zu ihrer vietnamesischen Heimat geprägt. Immer wieder finden sich in ihren Werken die Landschaften, das Alltagsleben und vor allem die Frauen Vietnams. Im Interview mit „Art in Networks“ spricht Doan Thanh Rettensteiner über ihre frühe künstlerische Ausbildung, diverse Ausstellungen und ihr Leben in der DDR.